
Wie lassen sich Schäden an Rotorblättern zuverlässig dokumentieren, ohne die Bauteile unmittelbar erreichen zu müssen? Ein Inspektionsprojekt der GDDC GmbH im Windpark Holstenniendorf zeigt, wie sich hochauflösende RGB-Aufnahmen und Thermografie bei der Zustandsbewertung von Windkraftanlagen ergänzen.
Im März 2025 wurde die GDDC GmbH von der ITerraWind GmbH & Co. KG mit einer optischen und thermografischen Inspektion der Rotorblätter im Windpark Holstenniendorf beauftragt. Untersucht wurde eine Siemens Gamesa SG 5.0-132 mit einer Nennleistung von 5 MW, die 2023 in Betrieb genommen worden war. Ziel war es, alle drei Rotorblätter aus geringer Distanz zu erfassen, Auffälligkeiten festzustellen und die Ergebnisse nachvollziehbar zu dokumentieren.
Für die Datenerfassung kam eine DJI Matrice 350 RTK mit der Multisensor-Kamera DJI Zenmuse H20T zum Einsatz. Die Flugmissionen wurden mit DJI Pilot 2 durchgeführt. Die Kombination ermöglicht die Erfassung optischer und thermografischer Informationen mit einem Drohnensystem.
Zu Beginn wurden Mission, Windkraftanlage und Wetterbedingungen berücksichtigt. Anschließend erfolgte die drohnengestützte Nahbereichserfassung der Rotorblattoberflächen. Bei der Auswertung wurden die RGB-Aufnahmen mit den thermografischen Bildern verglichen, Auffälligkeiten eingeordnet und die relevanten Befunde im Inspektionsbericht dokumentiert.
Ein besonders aussagekräftiger Befund betraf Rotorblatt C. Der Inspektionsbericht dokumentiert einen Längsriss in der äußeren Rotorblatthaut. Während die RGB-Aufnahme den sichtbaren Oberflächenriss zeigte, deutete das Thermografiebild darauf hin, dass der betroffene Bereich tiefer in das Material reichte, als optisch allein erkennbar war.
Der Bericht weist darauf hin, dass tiefer reichende Risse weitere innere Schäden begünstigen können, und empfiehlt, den Riss möglichst zeitnah zu schließen beziehungsweise zu reparieren. Wichtig: Ein thermischer Kontrast ist ein diagnostischer Hinweis und wird gemeinsam mit den optischen Aufnahmen und der fachlichen Bewertung interpretiert; er ersetzt keine eigenständige Materialprüfung.
Betrieb, Sonneneinstrahlung und Luftströmung beeinflussen die Temperaturverteilung auf einem Rotorblatt. Risse oder Ablösungen innerhalb der Verbundstruktur können den Wärmefluss verändern und dadurch lokale Temperaturkontraste hervorrufen. Werden diese thermischen Auffälligkeiten mit den RGB-Aufnahmen derselben Stelle abgeglichen, lässt sich die Bewertung des Befunds fundierter dokumentieren.
Der in der Fallstudie beschriebene Ansatz knüpft an patentierte Konzepte zur thermografischen Zustandsüberwachung von Windkraftanlagen sowie zur Inspektion von mobilen Plattformen an. Genannt werden insbesondere die Patentfamilien DE102011118833C5 / EP2565449B2 und DE102010048400A1 / EP2547903B1 mit Bezug zu Horst Zell. Angaben zum aktuellen Schutzrechtsstatus sind bei rechtlicher Verwendung in den zuständigen amtlichen Registern zu prüfen.
Im Rahmen der Mission wurden alle drei Rotorblätter optisch und thermografisch untersucht. Der Inspektionsbericht dokumentiert mehrere Auffälligkeiten und hält die zugehörigen Bilddaten für die weitere technische Bewertung fest. Die Kombination aus RGB und Thermografie unterstützt eine nachvollziehbare Befundaufnahme und kann helfen, Wartungsmaßnahmen sowie Folgeinspektionen gezielter zu planen.
Das Projekt in Holstenniendorf zeigt, wie professionelle Drohnentechnologie die Inspektion von Windkraftanlagen unterstützt: durch berührungslose Nahbereichsaufnahmen, die Kombination optischer und thermografischer Informationen sowie eine strukturierte Dokumentation für technische Entscheidungen.